Am 2. Oktober feiern wir wieder mit bei der Kulturnacht. Es gibt die berühmten Kulturwürscht und in diesem Jahr eine Istallation von Reinhard Böhme zum Thema "Our Brain." Schon heute durften wir darin Gottesdienst feiern.

Im Gottesdienst haben wir Psalm 139 gebetet und versucht darzustellen, was passieren kann, wenn wir beten.

Psalm 139 Nr. 771

Herr, du erforschst mich und kennst mich.

Oh je, kennt Gott wirklich alles?

Kennt er auch die Gedanken, die ich nie jemandem sagen würde? Weil es richtig peinlich wäre, wenn das rauskäme, was mir da alles durch den Kopf geht. Sogar im Gottesdienst. Ich denke an Schokolade und daran, dass ich eigentlich noch auf´s Klo wollte. Ich denke an Streit, den ich hatte und wo es mir hinterher Leid tat. Nein, eigentlich nicht. Das musste auch mal sein. Diese blöde Kuh. Halt, nicht. Stopp, ich wollte ja zuhören. Oh Gott, meine Gedanken gehen so durcheinander.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; Du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Sitzen oder aufstehen. Das weiß ich im Gottesdient auch immer nicht. Und wenn der Pfarrer dann so seine Handbewegung macht, finde ich das immer unfreundlich. Jetzt hab ich schon wieder nicht aufgepasst, dabei wollte ich doch genau auf jedes Wort achten.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Dafür danke ich dir Gott, dass du da bist. Dass du mich trägst, mich behütest, mich auffängst, wenn ich falle. Von allen Seiten umgibst du mich. Davon kann ich gar nicht genug bekommen. Das stelle ich mir immer kuschelig vor, dabei ist Gott bestimmt gar nicht kuschelig. Der Bart kratzt bestimmt. Aber wenn Gott eine Frau ist, dann hat sie ja gar keinen Bart.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

Wie Mathe, das begreife ich auch nicht.

Und warum es so viel Krieg gibt und Gewalt, warum so viel Leid. Und warum ich so dicke Füße habe. Und warum wir beim Psalm immer stehen müssen. Im Sitzen könnte ich viel besser zuhören. Oder im Laufen. Warum nicht mal Laufen und einer liest den Psalm? Aber das wäre sicher zu unruhig und zu laut.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da, bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Darüber sollten die Pfarrer mal predigen. Die Toten sind gar nicht im Himmel. Sonst könnte sich Gott nicht zu den Toten legen.

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Wie es dort wohl aussieht am äußersten Meer? Wild und stürmisch? Blau und warm wie in der Karibik? Auf jeden Fall entspannt, denn am äußersten Meer ist nichts mehr. Was soll da noch kommen? Nur Gott ist da und hält mich. Er findet mich, wenn es zum Äußersten kommt, wenn ich am Rand bin, wenn ich zu fallen drohe.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag, Finsternis wie das Licht.

Das ist meine Lieblingsstelle. Auch wenn es finster ist, ist Gott da und leuchtet. Was für ein tröstliches Bild. Gott leuchtet in meiner Finsternis und macht mein Leben hell.

Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Ich fühl mich aber gar nicht wunderbar. Ich wäre gerne ansehnlicher, ich hätte gerne ein paar Kilo weniger. Die Jeans, die ich mir neulich gekauft habe, zwickt immer noch. Was bin ich aber reich. Die meisten Menschen dieser Welt machen sich keine Gedanken darüber, dass sie zu dick sein könnten. Danke Gott, dass es mir so gut geht. Danke, dass du mich wunderbar findest, denn das heißt: Du liebst mich! Trotz allem.

Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

Da, schon wieder. Da sollten die Pfarrer auch mal drüber predigen. Keine Zeugung, keine Samenzelle und Eizelle, sondern drunten gemacht unter der Erde. Etwa da, wo die Toten sind? Das ist richtig spannend.

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Wie gerne würde ich mal in diesem Buch blättern. Das ist bestimmt so ein großes, altes Buch, mit vielen schönen handgemalten Bildern.

Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!

Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.

Und meine Gedanken erst. Jetzt wollte ich mich ganz konzentriert dem Psalm widmen und bin dauern abgeschweift. Aber, dass Gott sich Gedanken um mich macht, das finde ich tröstlich. Ich bin ihm nicht egal.      

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; Prüfe mich und erkenne, wie ich´s meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Amen

 

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