100 jähriges Jubiläum unserer Gemeinde 2004
Unsere Gemeinde feierte im Oktober 2004 ihren 100. Geburtstag !

Kirchengemeinderats-Vorsitzender G. Helwig und Dekan D. Schunck
Foto: D. Jahn
Mit einer Festwoche vom 17. bis 24. Oktober feierte die Evangelische Kirchengemeinde Radolfzell ihr 100-jähriges Jubiläum. Nachfolgend gibt es in Wort und Bild einen Eindruck von der Festwoche und ihren verschiedenen Höhepunkten.
Das Eröffnungskonzert: Sonntag, 17. Oktober 2004
Avantgardistische Darbietung: Bisher Ungehörtes zum Jubiläumsfest


Da haben zwei viel Mut gehabt und es gewagt, bestehende Hörhorizonte zu überschreiten mit hoher Kunstfertigkeit und Elan - rechtzeitig am Abend nach dem Festakt zur Eröffnung der Jubiläumswoche - und bisher Ungehörtes einer mitgehenden und schließlich begeisterten Hörgemeinde anzubieten: Pia Löb an der Orgel der Christuskirche gemeinsam mit Stefan Geib am Schlagzeug.
Das musikalische Thema des Konzertabends war mit dem ersten Stück von Barbara Dennerlein "Pendel der Zeit" vorgegeben. Auch die anderen Musikstücke von "Incantation pour un jour saint" von Jean Langlais bis hin zu Olivier Messiaen's "L'apparition d'église éternelle" umkreisten das Thema Zeit - passend zur Fest-Zeit, als musikalische Bearbeitung der zurückliegenden Zeit der Gemeinde und der noch vor ihr liegenden. Das hier zuletzt genannte, von Pia Löb und Stefan Geib so erhebend aufgeführte Stück wurde von Gerhard Hellwig im Südkurier folgendermaßen beschrieben: "Zum besonderen Ereignis wurde "L'apparition d'église éternelle" von Olivier Messiaen (1908-1992). Geballter Klang, schrille Akzente, Hammerschläge (Orgel/Schlagzeug), die für den göttlichen Arbeiter stehen, "der die Seelen zu passenden Bausteinen für die Ewige Kirche zurechtschlägt...". Als Vision Messiaens interpretiert. Ein Werk ohne Taktangabe, also nahezu freie Verfügungsmasse für subjektivistische Nachempfindung. Sie endete in der Christuskirche mit Fortefortissimo-Echoeffekten."
Wenn die beiden Musiker mit ihrer starken Darbietung 100 Jahre evangelische Gemeinde in Radolfzell musikalisch umschrieben haben wollten, darf umgekehrt auch obige Interpretation Hellwigs als Aussage über diese Gemeinde-Zeit heran gezogen werden. Wo Platz für Visionen ist, wird es wohl Zukunft geben.
Der Festvortrag: Dienstag, 19. Oktober 2004
Vortrag zum Gemeindejubiläum von Prof. Dr. W. Eisinger

Jede Menge Stühle nachstellen musste man, um allen, die zum Festvortrag von nah, fern und früher gekommen waren, eine Sitzgelegenheit für einen äusserst lehrreichen und zugleich heiteren Vortrag zu schaffen. Der bekannte Professor von der Uni Heidelberg (im Ruhestand) machte deutlich, dass man seine Herkunft betrachten müsse, um (s)eine Zukunft zu haben - und er tat dies, indem er das gebannt zuhörende Publikum mit badischer Liberalität und Toleranz (das Wort "Musterländle" ist ein badischer Begriff!), schwäbischer Glaubensverbundenheit und anderen nationalen und weniger nationalen Eigenschaften der Gründungsväter und -mütter der Evangelischen Kirchengemeinde in Radolfzell und andernorts in der Evangelischen Landeskirche in Baden vor 100 Jahren bekannt machte. Er berichtete von Kirchenschwänzern, Revolutionstruppen, kirchenverbundener Arbeiterschaft und sozialem Engagement und einem seinem Volk in aufklärerischem Geist verbundenen Großherzog und von dem erstaunlichen Mut der ersten Evangelischen in Radolfzell, mit so wenig Geld so viel Gemeinde zu wollen - mit eigener Kirche und eigenem Pfarrer. Im guten Sinn grenzüberschreitend sei man damals gewesen und wagemutig, mehr als wir heute es oft seien. Dass Kirche - bei so viel erzählter Heiterkeit - ein gelungener Wurf Gottes und der Menschen sei - das wurde bei diesem köstlichen Vortrag und der sich aus der Zuhörerschaft anschließenden Fragen zur lebendigen Gewissheit.
Kabarettabend
Donnerstag, 21. Oktober 2004
Ein weiterer Mosaikstein der Festveranstaltungen zum Jubiläum war der Kabarettabend mit Tobias Bücklein. Das Publikum saß bei einem Getränk in lockerer Runde an Bistro-Tischen und konnte so Tobias Bücklein erleben, der mit musikalischen Beiträgen am Klavier und mit Gitarre köstliche und humorvolle Lesungen und Sketche zum Thema "Ein Abend über Gott und die Welt" einbrachte. Dabei waren seine Beiträge durchaus mit dem Jubiläumsereignis verknüpft: so spielte der Unterhaltungskünstler u.a. auch auf die Rückkehr des Taufsteins in die Kirche - in die "Schwimmhalle der Chrtistuskirche" an (liebevoll-spöttischer Übername der Christuskirche wegen ihrer strengen Backstein-Innenbau-Weise bei Gemeindegliedern). Der Abend, "der kein Auge trocken bleiben" ließ, war ein gelungener Beitrag zur Festwoche, aber auch darüber hinaus ein guter Beitrag, um zu zeigen, daß in einer Gemeinde Liebe und Humor zusammen gehören, und das hier und dort noch gängige Bild des "gebeugten und freudlosen Christen" endgültig zu korrigieren ist.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Dorette Jahn
Das Gemeindefest
Samstag, 23. Oktober 2004
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Der Festgottesdienst
Sonntag, 24. Oktober 2004 mit Prälat H. Barié, Freiburg mit Bachkantate "Erschallet ihr Lieder"

Am Sonntag der Festwoche hielt der Prälat Dr. Helmut Barié die Festpredigt zu Lukas 14, 16 ff.
Musikalisch zu einem Glanzpunkt gemacht wurde der Festgottesdienst durch die Aufführung der pfingstlichen (!) Kantate BWV 172 von J.S. Bach "Erschallet, ihr Lieder" mit der Kantorei der Christuskirche und Gästen unter der Leitung von Kantorin Pia Löb und den Solisten Claudia von Tilzer (Sopran), Nicole Fazler (Alt) und Philipp Heizmann (Bass).
In der Predigt von Dr. Barié hieß es: "Unser Festgottesdienst zum 100.Geburtstag der Evangelischen Kirchengemeinde dient keinem Zweck. Wir stellen dabei nichts her. Wir verkaufen kein Produkt. Wir freuen uns - so einfach ist das: "Von Gott kommt mir ein Freudenschein!" (Zitat aus der Bachkantate).
Neue Gemeindechronik:
Rechtzeitig ist sie fertig geworden: die neue Gemeindechronik von Rudolph E. Vogel. Der Historiker erstellte das 60- seitige Werk in Ergänzung, Fortführung und Aktualisierung des grundlegenden Buches zur Gemeindegeschichte des mittlerweile verstorbenen Erwin Barth aus dem Jahr 1984. Die neue Gemeindegeschichte ist für den Preis von 4 Euro im Pfarramt erhältlich.
Auch hier im Internet können Sie eine umfangreiche und interessante Zusammenstellung zur Geschichte der Christuskirche und der Kirche in Radolfzell lesen sowie ein Interview mit Rudolph E. Vogel, dem Autor der "Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde von Radolfzell"!
Noch mehr Fotos ...
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