Jakobsweg 2001 - 2005
Jakobsweg 2001 - 2005. Wir waren dort...
Ein fünfjähriges Projekt ist zu Ende. Wir sind in Santiago de Compostela angekommen und waren auch am Cabo Fisterra, am Ende der Welt. 12 verschiedene Leute sind über die Jahre mit dabei gewesen, manche vom Jahr 2001 an bis zuletzt, manche sind nur eine Etappe mit gefahren, und noch viel mehr Leute waren bei den Trainingsfahrten zwischen den einzelnen Etappen oder bei Vorbereitungsgesprächen dabei, haben die anderen, die auf dem Weg waren, tatkräftig unterstützt, haben die Erfahrungen geteilt.
Diese letzte Etappe Ende August bis zum 10. September 2005 war anders als die vorausgegangenen. Die Reise wurde zu einer Initiation. Es fing schon mit einer schlaflosen Nacht auf dem Flughafen in Stuttgart an und setzte sich gleich am ersten Tag in Spanien weiter fort mit einem völlig kaputten Fahrrad nach der Landung in Bilbao, mit einem Taschendiebstahl am Busbahnhof in Bilbao und mit einem Unfall unseres Busses nach Burgos, der zur Folge hatte, daß ein Fahrrad aus dem demolierten Bus mit Werkzeugen herausgearbeitet werden musste. Daß ein anderes Fahrrad auf der Strecke plötzlich ohne Pedale war, die Gruppe sich verlor und abenteuerlich wieder fand, eine Zahnoperation nötig wurde und ein zur Ausreise notwendiger Ausweis sogar in Portugal besorgt werden musste, wurde gefolgt vom Reisegepäck, das beim Rückflug nicht in Mulhouse, sondern in Großbritannien landete und durch einen schweren Sturz einer Mitreisenden beim Spaziergang in Porto. Diese Herausforderungen haben uns in der Gruppe verändert. Stets mussten wir uns korrigieren lassen von den überraschenden und auch schmerzvollen und herausfordernden Tatsachen des Weges, und Zusammenhalt, Gelassenheit und Vertrauen, daß es doch gut weiter gehe, haben uns schließlich innerlich und äusserlich voran gebracht.
Die wüstenartige Meseta war unwirklich schön in den Farben, Landschaftsbildern und Düften; endlos lange Wegstrecken reinigten seelisch und befreiten von manchem mitgenommenen Balast. Symbolisch dafür legten wir am Cruz de Ferro, einem Wegkreuz in der Nähe des Rabanal, der ersten großen Passhöhe des Weges, einen Stein nieder, der Wochen zuvor beim Altar in der Christuskirche in Radolfzell gelegen war.
Abendliche Tischgemeinschaft machte uns froh, hatte geradezu sakramentalen Charakter und ließ viel vom unterwegs Erlebten verdauen. Für Santiago hatten wir genügend Zeit. Welch schöne Stadt - welch freundlichen Leute überall! Zutiefst berührend das rituelle Betreten der stets besuchten Kathedrale in der Stadt, die Verbeugung vor dem Meister Mateo, der Gang in die Krypta des Jakobusgrabes, um dort dem Stern wieder zu begegnen, der uns als Abendstern die vielen Tage zuvor geleuchtet hatte. Am Ende der Welt schließlich Stille. Nichts als das gurgelnde Tosen des tiefdunkelblauen Atlantik, in dessen Fluten wir uns andernorts schließlich jubelnd und angekommen werfen konnten. In der Gischt sah man etwas wie Zeichnungen und Bilder, Botschaften der Seele für manche. Und dort, am Ende der Welt, die Feuerstellen zum Verbrennen von Kleidung oder anderem Mitgenommenem, ein Feuer der Läuterung, ein Geisteszeichen. Manches in einem selbst mag dort auch verbrannt, mit Feuer berührt worden sein.
Wieder zurück gekommen, mag die Reise nach Santiago nicht ganz zuende gegangen sein. Etwas ist noch unterwegs, noch im Schwange.