Buxtehude Konzert 16.1.2008
16. Jan. 2008, Südkurier, Seite 20
"Das befriedigt fast wie eine Oper"

Antje Kirsch
Das neue Jahr musikalisch zu begrüßen, ist in vielen Städten eine beliebte Tradition. Auch in Radolfzell konnten sich Klassikbegeisterte am Sonntag gebührend auf das neue Jahr einstimmen. Auf dem Programm standen ausschließlich Werke des Barockmeisters Dietrich Buxtehude (1637-1707). Der norddeutsche Komponist hatte im vergangenen Jahr seinen 300. Todestag, weshalb Pia Löb, Kantorin an der Radolfzeller Christuskirche, sein Werk in den Mittelpunkt des Konzertes stellte. "Auch 2008 ist seine Musik immer noch schön", schätzt die Kantorin die Werke Buxtehudes.
Sie holte mit dem Konzert, in leicht veränderter Programmfolge, ein Jubiläumskonzert nach, das bereits für den vergangenen November geplant war, aber krankheitsbedingt ausfallen musste.
"Das neugeborene Kindelein,. .. bringt abermals ein neues Jahr, der auserwählten Christenschar." Diese Botschaft der Kantate "Das neugeborene Kindelein" bleibt dementsprechend aktuell und hörenswert, sodass das Publikum der Musik mit ungeteilter Aufmerksamkeit folgte. "Es herrschte eine sehr konzentrierte Atmosphäre", urteilte Pia Löb im Anschluss an das Konzert, das sie mit dem Orgelwerk "Präludium C-Dur" eröffnete. "Musik ist etwas sehr lebendiges", erklärte Pia Löb. Entsprechend ausgewogen gestaltete sie das Programm durch einen sinnvollen Wechsel aus Kantaten wie "Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken" oder "Jesu, meine Freude" und Instrumentalstücken.
Mit für Buxtehude wohl eher ungewohntem Schwung präsentierten die Sängerinnen und Sänger der Kantorei der Christuskirche, die Solisten Corinna Staschewski (Sopran), Barbara Kasper (Alt), Andreas Köbele (Tenor) und Philipp Heizmann (Bass) sowie die Musiker Beatrice und Norbert Speck und Barbara Weisser (Violine), Christoph Link (Viola), Frank Westphal, der mit dem Violoncello ebenfalls solistisch auftrat, sowie Beate Schäfer (Cembalo) die Musik des Barock mit hörbarer Freude.
"Ich mag die Dramaturgie in der Musik Buxtehudes", schwärmte Altistin Barbara Kasper. Sie befasste sich im Studium intensiv mit der Musik der Renaissance, der die des Barock folgte. Damit sei es ihr gut gelungen, sich in die Musik hineinzuversetzen, wie sie sagte. Entsprechend freudig spielte sie mit dem Wechsel der Inhalte vom kräftigen "Höllenpfort" zum "kleinen Jesulein" und urteilte danach: "Das befriedigt fast wie eine Oper." Der schnelle Harmoniewechsel fiel der Sopranistin nicht ganz so leicht, bekannte Corinna Staschewski. Doch die Wahlberlinerin meisterte die Herausforderung bestens. Neben den professionellen Sängern unter den vier Solisten behauptete sich Andreas Köbele als professioneller Laie, dem man den Spaß am Singen regelrecht ansah. Der Lehrer für Biologie und Chemie ist solistisch immer wieder unterwegs und behauptete sich im Konzert souverän. An der Musik Buxtehudes schätzt Köbele die Kombination des Wortes mit der Musik: "Sie ist durchsichtig und klar", weshalb er die Kantaten besonders gerne sang.
"Das Konzert hat mir gut getan. Es hob die Gedanken in eine andere Perspektive", lobte im Anschluss an das Konzert die Zuhörerin Diane Dümke aus Wahlwies. Das Publikum dankte den Musikern mit langem Applaus.
Antje Kirsch