Frauen überwinden Glaubensgrenzen 12.3.2009
Artikel im Südkurier v. 12.3., Seite 16
In 170 Ländern der Erde wurde für Anfang März ein außergewöhnlicher Gottesdienst aller Konfessionen vorbereitet – in diesem Jahr übernahmen dies Frauen in Papua-Neuguinea. So soll sich über die Glaubensgrenzen hinweg eine ökumenische Frömmigkeit entwickeln. Auch in Radolfzell und der Höri nutzten Frauen den Weltgebetstag zur Förderung des ökumenischen Gedankens.

Frauen aus Radolfzell und von der Höri gestalten gemeinsam einen Gottesdienst zum Weltgebetstag. In Texten und Liedern tauchen sie in fremde Kulturen ein und wollen den ökumenischen Gedanken vertiefen. Dieses Jahr war Papua-Neuguinea das Thema des Weltgebetstags.
Radolfzell-Höri – Die Weltgebetstagsgottesdienste leben von der intensiven und liebevollen Vorbereitung sowie ihrer lebendigen Gestaltung. Die Frauen nehmen sich die Zeit, sich einzuhören und einzulesen in eine fremde Kultur, in Musik und Literatur, in das politische Umfeld und in das Leben der Kirche des jeweiligen Landes. Dies alles war in den Gottesdiensten sehr stark zu spüren.
Papua-Neuguinea ist ein Inselstaat im Pazifischen Ozean mit großer landschaftlicher Vielfalt: fruchtbare Küstenregionen und zerklüftete Gebirgslandschaften. Die Einwohner leben zumeist in ländlichen Regionen überwiegend von dem, was Frauen in Gärten anbauen. Überschüsse und speziell Angebautes wie Kaffeebohnen werden verkauft, um Geld für den täglichen Bedarf, für Schulgebühren und medizinische Versorgung zu erwirtschaften.
Um 15 Uhr versammelte sich eine große Gemeinde in der überfüllten Kapelle des Altersheimes in Radolfzell, lernte vieles über Papua-Neuguinea, bestaunte die Blumenpracht (Orchideen) und viele Früchte, hörte auf Sorgen und Nöte der so weit entfernt lebenden Frauen und betete mit deren Worten für sie, begleitet von festlicher Flötenmusik.
Mit Chor, Trommeln und Gitarrenmusik wurden viele Gottesdienstbesucher am Abend in der festlich geschmückten Christuskirche begrüßt – und dann hineingenommen in ein fernes Land. Bild- und Textinformationen zu Papua-Neuguinea ließen auch diese Gottesdienstgemeinde eine weite Reise ans andere Ende der Erde machen. Dann standen zwei biblische Texte im Mittelpunkt. Wie verschieden und mit unterschiedlichen Begabungen die Menschen beschenkt sind, wurde deutlich an Worten des Apostels Paulus: „Wir haben an dem einen Leib viele Glieder, aber nicht alle Glieder leisten denselben Dienst. Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.“ Mit einigen Gesten und wenigen Zwischentexten zeigten Frauen Erklärungen, die bis heute gültig sind und – wenn man richtig hinhört – für jede machbar sind. Der zweite, viel ältere Text brachte die vertraute Mose-Geschichte nah, Frauensolidarität in alter Zeit rettete einem Kind das Leben.
Erschütternd dann der Bericht aus jüngster Zeit vom Bürgerkrieg in der Provinz Bougainville. Gezwungen in der durch den Krieg entstandenen Not bündelten die Kirchen ihre Kräfte, es trafen sich 800 Frauen zu einem einwöchigen Friedensforum und brachten Aufständische und Regierende ins Gespräch. Das war 2004, der Beginn des Friedens.
Gemeinsames Singen und Hören auf die Musik aus Papua-Neuguinea vertiefte die neuen Eindrücke des Gottesdienstes. Festliches Essen nach Rezepten aus Papua-Neuguinea und angeregte Gespräche an geschmückten Tischen beschlossen diesen Weltgebetstag.
Die große Kollekte, die während des Gottesdienstes eingesammelt wurde, ergab 1 500 Euro. Damit wird die Alphabetisierung in Papua-Neuguinea unterstützt sowie ein Projekt zur Überwindung von Gewalt gegen Frauen und Aufklärung und Beratung zum Thema Aids.
Mit dem Weltgebetstag kann man jedes Jahr von Menschen anderer Länder und Kulturen lernen. Was bleibt, sind bewegende Momente, neues Wissen über ein fernes Land, Mut machende Erfahrungen von starken Frauen, Vertiefung ökumenischer Kontakte in Radolfzell und die Vorfreude auf den Weltgebetstag 2010, vorbereitet von Frauen aus Kamerun. Originalartikel