Jazzchor Konzert 12.5.2009
Konzertbericht im Südkurier v. 12.5.09, S.20
Jazzchor Radolfzell feiert sein fünfjähriges Bestehen mit einem beeindruckenden Auftritt

Der Jazzchor Radolfzell unter der Leitung von Kantorin Pia Löb feiert in der Christuskirche zusammen mit Michael Schütz (Piano), Florian Loebermann (Saxophon) und Cesar Gamero (Percussion) das fünfjährige Bestehen des Chors mit einem tollen Konzert.
Radolfzell (pes) Trotz des kurzen Gewitters am Samstagabend strömten viele Besucher in die Christuskirche, um das Konzert des Jazzchores unter der Leitung von Kantorin Pia Löb zu hören. Seit fünf Jahren besteht der Chor und ist ein fester Bestandteil des musikalischen Lebens in der Christuskirche geworden.Zur Unterstützung hatte der Jazzchor den Pianisten, Komponisten und Dozenten für Popularmusik Michael Schütz, den Saxophonisten und Musiklehrer Florian Loebermann sowie kurzfristig, und daher nicht im Programmheft aufgeführt, den Percussionisten Cesar Gamero eingeladen.Ein abwechslungsreiches und umfangreiches Programm hatte der Jazzchor zusammengestellt. „Zwei Konzerte in einem“ versprach Kantorin Pia Löb zu Anfang des Abends. Denn Michael Schütz trug im Verlauf des Konzertes aus seinem Repertoire weitere Werke solo am Flügel vor. Viel geübt hatte der Chor für das Konzert, und das zahlte sich auch aus. Ein harmonisches Zusammensingen und punktgenaue Betonungen präsentierten die Sänger. Auch schwierige Passagen wie im „Lullaby of Birdland“ oder die ständigen Wechsel zwischen Latin und Swing bei „On Green Dolphin Street“ meisterten sie zusammen mit den Musikern einwandfrei. Die Traurigkeit und Melancholie der Filmmusik „Black Orpheus“ wurde von den Sängern genauso gut herausgearbeitet, wie der feine swingende Latin Jazz-Groove bei „Agua de beber“, dem ersten Stück des Abends.Den Bogen zwischen weltlichem Jazz und kirchlicher Musik bildeten die beiden Gospel „He is always close to you“ sowie das traditionellere und mit rhythmischem Gefühl gesungene „Motherless Child“. Ganz ohne instrumentale Begleitung bildete das „Time to leave“ den Abschluss des offiziellen Programms. Hierbei zeigte sich die fundierte Ausbildung der Chorleiterin, bei der einige Chormitglieder noch weiteren Stimmbildungsunterricht nehmen.Die Solovorträge des Pianisten Michael Schütz waren ein besonderes Erlebnis. Mit seinen Kompositionen „Barrelhousin“ und „Fun Time Rag“ zeigte er gleich zu Beginn, mit welcher Leichtigkeit und Schnelligkeit er in der Lage ist, zielsicher und akzentuiert zu spielen. Gerade der Fun Time Rag entlockte den Zuhörern ein überraschtes Raunen. Ein etwas ruhigeres „Impressions“ wurde der Akustik der Kirche gerechter und Schütz kostete das Ausklingen der Saiten bis zum Ende voll aus.
Ein wahres Feuerwerk auf den Tasten entfachte Schütz mit seiner Komposition „Funk Dance“ mit einer „16-tel-Mikrostruktur“, wie er dem Publikum erklärte. Ruhigere Stellen ließen den Zuhörern nur eine kurze Erholung, bevor es wieder temporeich weiterging. Ein besonderes Hörerlebnis waren die Arrangements von Beethovens Pathétique (der dritte Satz) sowie „Es kommt ein Schiff geladen“ im Salsarhythmus und „Ich steh an deiner Krippen hier“ in grovendem Latinjazz-Stil. Seine Bearbeitungen klingen, als seien die Werke schon immer so gewesen. Drei Zugaben mussten Musiker und Chor noch geben, bevor das Konzert nach über zwei Stunden Spielzeit endete.
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