Zum Abschied von Pfarrer Kubach
Auf den Tag genau 8 Jahre war Pfarrer Kubach an dieser Gemeinde, wenn er uns am 31. August 2006 verlässt. In dieser Zeit hat er die Gemeinde mit seinem eigenen Stil mitgeprägt. Für viele kam die Ankündigung des Wegganges sehr plötzlich. So mancher war darüber betroffen. Aber man muss die Entscheidung auch respektieren. Ein Wechsel ist immer auch ein Neuanfang, für den, der geht, und für die betroffenen Gemeinden. Deshalb sollten wir nach vorn schauen und Pfarrer Kubach und seiner Familie alle guten Wünsche mit auf den Weg zu einem guten Start in Rheinbischofsheim geben.
Rückblick
Im September werden es 8 Jahre, seit ich aus Wolfach im Schwarzwald hierher gekommen bin.
Diese Zeit geht nun zu Ende, weil ich zum 1. September meinen Dienst in der neuen Pfarrstelle in Rheinbischofsheim antreten werde. Rheinbischofsheim ist ein Ortsteil der Stadt Rheinau im vorwiegend evangelischen Hanauerland, bei Kehl am Rhein gelegen, wenige Kilometer von Frankreich entfernt. Die Entscheidung, zum jetzigen Zeitpunkt zu wechseln, hat auch mit dem Alter unserer Kinder zu tun, mit denen wir noch vor ihrer Einschulung umziehen möchten.
Die Jahre hier in Radolfzell waren voller bewegender, meist froher Ereignisse - und erfreulicher Feste: die 100-Jahrfeier der alten Kirche, das 50-jährige Bestehen unseres guten Kindergartens und schließlich die 100-Jahrfeier unserer Gemeinde und einige Bazare... In der Christuskirche haben meine Frau und ich geheiratet, und uns wurden die drei Kinder Yannis, Yola und Odile geschenkt. Da alle drei in Radolfzell geboren sind, wird uns unsere schöne Stadt also in gewissem Sinn erhalten bleiben. Manuel und Lewin, die beiden Söhne, welche meine Frau mit in die Ehe gebracht hat, werden bei ihrem Vater hier bleiben und hier weiter zur Schule gehen.
Auf viel Schönes darf ich auch in beruflicher Hinsicht zurückschauen. Ein Horizont erweiterndes Ereignis war der mehrwöchige Besuch in der Partnergemeinde in Donga-Mantung in Kamerun. Die Erfahrungen dort haben mich zutiefst geprägt und mir weitere Formen des Reichtums an christlichem Zusammenleben und Weltgestalten gezeigt. Die Männergruppenarbeit aus der Wolfacher Zeit konnte ich hier fortsetzen; über lange Jahre mit vielen Lebensinhalten sind einige Männerherzen tief zusammengewachsen. Eine Meditationsgruppe (Sitzen in der Stille / Zen) mit manchmal wenigen Teilnehmern konnte in dem schönen Praxisraum des Musiktherapeuten Norbert Godart über all diese Jahre beibehalten werden, wobei einige der Teilnehmer dem Ruf nach Dietfurt folgten, um dort im Kloster eine Woche in Schweigen und Meditation zu verbringen. Dass eine Traumgruppe entstand (fast nur mit Teilnehmerinnen - träumen Männer nicht?), empfinde ich noch immer als großes Glück. Unvergesslich werden mir die Erlebnisse in der Traumgruppe bleiben - etwa wenn jemand von einem tief ergreifenden religiösen Traumbild sprach; diese Bilder werden weiterhin auch in meiner Seele wohnen bleiben. Andere Bilder - durchs innere und durchs äußere Sehen (nicht zuletzt mit demFotoapparat) - sind im Laufe von 5 Jahren entstanden, als wir nämlich mit immer neuer Zusammensetzung auf dem Jakobsweg von Radoifzell nach Santiago de Compostela unterwegs waren - wie dankbar bin ich für diese gemeinsamen 2500 Kilometer (und dafür, dass meine Frau mich ziehen ließ!) als Pilger beim Kennenlernen einer längst vergessenen, bezaubernden Welt. Ob es diese neue Freude am Unterwegssein war, die mich gemeinsam mit unserer hoch engagierten Pfarramtssekretärin Traudel Witter einige mehrtägige Gemeinde-Exkursionen - zuletzt nach Burgund - unternehmen ließ?
Nicht alles verlief immer so ruhig und geplant. Ein Kirchenbrand brachte viel Aufregung und anschließendes Aufarbeiten mit sich, wie jenes Jahrhunderthochwasser 1999, als in den Jugendräumen das Wasser bis zum Knie reichte. Zu den weiteren baulichen Maßnahmen meiner Zeit im Bauausschuss gehörte noch die Umgestaltung des Kirchplatzes und die Verschönerungsaktion der Kirche, die zum neuen Kreuz (Herr Kalkowski lieferte an Pfingsten, dem Fest der Gründung der Kirche, vor 5 Jahren das 700 Jahre alte Holz dazu) und dem Felsen beim Altar geführt hat. Ein Lieblingskind wurde mir schließlich die Homepage unserer Gemeinde. Frau Dr. Matthes-Reckert hat sie mit großer Fachkenntnis aufgebaut und liebevoll betreut; es hat viel Freude bereitet, mit ihr die Inhalte der Homepage zu gestalten und über Jahre fortzuführen.
„Darauf haben wir schon lange gewartet!" Und so begann eine im 14-täglichen Rhythmus stattfindende seelsorgerliche Gesprächsrunde immer am Donnerstagabend in der Herz- und Kreislaufklinik, die bald von katholischer Seite von einer Mitarbeiterin, heute von Frau Weite, ergänzt wurde. Manchmal kam nur eine oder einer zum Gespräch, manchmal versammelte sich eine ganze Runde - und, was besonders glücklich macht: nach Jahren konnte man sich wieder sehen und vielleicht an bereits Besprochenem anknüpfen!
Nicht nur mit der katholischen Krankenhauspfarrerin Annemarie Weite war gut (und fröhlich) zusammen zu arbeiten, auch mit den Pfarrern der beiden örtlichen katholischen Gemeinden bestand immer eine große Verbundenheit, vor allem mit den Pastoralreferenten Frau Graff-Ruhrort und Matthias Hoppe und jetzt Herrn Vogler-Wangler (sie nicht mehr bei der Arbeit erleben zu können bedeutet geradezu Minderung der Lebensqualität!).
Ich freue mich über das Projekt „Offene Kirche", das mit Frau Weselin-Klatt und Frau Gundelsweiler von der Diakonie begonnen wurde und bald zu unserem Mittagstisch geführt hat. Mit meinem Kollegen Stephan Ramsauer und unserer experimentierfreudigen Kantorin Pia Lob startete unsere gemeindliche Beteiligung an der städtischen Museumsnacht; das waren immer Highlights - für mich vor allem die Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe vom Vogelsang aus Weiler.
Was Gottesdienste angeht, so war es ein gemeinsames Anliegen mit Frau Pfarrerin Heike Dinse gewesen, die Gottesdienste in den Aussenorten samstags, die Osternachtsfeier, ein Tischabendmahl am Gründonnerstag und Goldene Konfirmationen anzubieten und zu feiern. Mit meinem Kollegen Pfarrer Stephan Ramsauer gelang eine ganz neue Konzeptualisierung unseres Konfirmandenunterrichtes, der zuvor oft nur Kräfte verzehrend war und jetzt, auch dank vieler ehrenamtlicher Mitarbeit, immer viel Freude bereitet.
Was wäre nicht noch alles zu sagen von diesen Jahren: dass eine ACK entstand, daß Kontakte zur örtlichen muslimischen Gemeinde (Frau Witter baute die Brücke!) weitergehen - vor allem auch im von Herrn Baeuerle initiierten Arbeitskreis „Begegnung der Religionen", und das Weltkloster, für das ich als Vorstandsmitglied im Förderverein tätig werden konnte: was ist das hier doch alles für ein (im guten Sinn) Wachsen und Sich-Entfalten!
Ich habe versucht, hier etwas von einem lebendigen Prozess gegenseitigen Gebens und Nehmens zu schildern, der sehr fruchtbar war, wobei ich leider nicht alle und alles erwähnen konnte, was dazu gehört. Manche schwere Zeiten und schlimmen Erlebnisse und so vieles von dem, was nicht gelang, möchte ich nicht erwähnen, wohl aber für alles Vertrauen und Unterstützung vor allem durch unseren früheren und derzeitigen Kirchengemeinderat herzlich danken.
Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, mit dem Engel der Gemeinde zu sprechen. Ihm, dem Engel unserer Christusgemeinde hier in Radolfzell, danke ich für so vieles und vertraue ihm die hier weiter wirkenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an, unsere Kinder im Kindergarten und in den Schulen und alle Gemeindeglieder, die jungen und die alten, die, welche ihrer Gemeinde nahe sind, und die, welche nicht so nah dran sind: behüte sie und lass sie einen guten Weg finden miteinander und füreinander! Möge auch bald wieder ein neuer Pfarrer(in) kommen und damit neue und andere Herzen füreinander und für Christus erschlossen werden! Christus ist die Freude -möge er unsere Freude sein und bleiben! Mit liebem Gruß,
Volker Kubach mit Familie