Der frühere Landesbischof ist am Mittwochabend (21.10.) im Alter von 71 Jahren gestorben. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann würdigte den Verstorbenen als „aufgeschlossenen Theologen, der sich über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus engagierte“. Landesbischof Jochen Cornelius-Bischof bezeichnete Fischer als Menschen, der „mit klarem Blick für die aktuellen Herausforderungen und aus einem tiefen Vertrauen in die von Gott geschenkte Zukunft die Landeskirche nachhaltig geprägt hat“. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich-Bedford-Strohm, erinnerte an Fischers „wichtige Anstöße für die öffentliche Theologie“, zum Beispiel bei der Friedensethik.

„Wer dem früheren badischen Landesbischof begegnen durfte, konnte ihn stets als heitere und den Menschen zugewandte Persönlichkeit erleben. Ein prägendes Thema seines bischöflichen Wirkens war die Bewahrung der Schöpfung und eine nachhaltige Lebensweise - ein Anliegen, das ihn schon früh und vorausschauend bewegte und das heute dringlicher denn je ist“, erklärte Kretschmann.

„Das Gottvertrauen von Ulrich Fischer hat viele Menschen, Gremien und Gemeinden ermutigt und im Glauben gestärkt“, schreibt Cornelius-Bundschuh im Nachruf (s.u.). Fischer sei stets „schwungvoll, fromm und den Menschen und der Welt zugewandt“ gewesen. Auch als Bischof sei es Fischer wichtig gewesen, dass die Kirche Verantwortung für die Welt übernehme, auch bei Klimaschutz und Frieden. So habe Fischer lange vor den Fridays-for-Future Aktivitäten erklärt: „Wir können die ökonomischen und ökologischen Lasten, die wir hinterlassen, nicht den nachfolgenden Generationen überlassen.“ Ein Herzensanliegen sei Fischer die Ökumene gewesen. Gemeinsam mit dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch habe der Altbischof viele Impulse für eine ökumenische Verständigung in Baden gesetzt, vor allem in der 2004 verabschiedeten „Charta Oecumenica“, Grundlage für viele ökumenische Gemeindepartnerschaften.

„Der Mensch Fischer war ein echter Menschenfischer“, äußerte sich der Ratsvorsitzende Bedford-Strohm (Hannover). Ulrich Fischer habe „mit großer Glaubensfreude und strategischem Geschick viele Ideen umgesetzt“. Seine Leidenschaft für die Musik, insbesondere die Posaunenmusik, sei „absolut ansteckend“ gewesen. Besonders beeindruckt habe ihn in den letzten Jahren seit Fischers Tumor-Krankheit die große Glaubenszuversicht, mit der er auch dem Tod entgegengesehen habe.

Als „Medienbischof der evangelischen Kirche“ habe Fischer wichtige Markierungen für den Weg in die Zukunft gesetzt, betonte der Direktor des Gemeinschaftswerkes Evangelischer Publizistik, Jörg Bollmann (Frankfurt am Main). „Fischer verteidigte die Grundwerte der evangelischen Publizistik, auch weil er sich für die Grundwerte einer freien Publizistik in einer freien Gesellschaft einsetzte."

Für die Evangelische Landeskirche in Württemberg sprach Landesbischof Otfried July (Stuttgart) seine Anteilnahme aus und sagte: „Ulrich Fischer war ein offener und spontaner Mensch. Er hat kein Visier getragen, konnte seiner Freude, aber auch seinem Ärger deutlich Ausdruck geben. Man wusste, woran man war. Sein Dienst, auch in der Evangelischen Kirche in Deutschland, sollte in allem der Verkündigung des Evangeliums dienen.“

Ulrich Fischer wurde am 11. Februar 1949 in Lüneburg geboren. Früh wirkte er im Kirchen- und Posaunenchor mit und war bei den christlichen Pfadfindern aktiv. Nach dem Wehrdienst studierte er Theologie in Göttingen und Heidelberg. Nach der Promotion und Lehr- und Pfarrvikariat in Sandhausen war Fischer von 1979 bis 1989 Pfarrer in Heidelberg-Kirchheim. Schwerpunkte waren die Arbeit mit Kindern, musisch-kulturelle Aktivitäten, Mitarbeit in der „Eine-Welt-Arbeit", in Friedensgruppen und die Ökumene vor Ort.

Von 1989 bis 1995 war Fischer Landesjugendpfarrer, vor der Wahl zum Landesbischof 1998 stand er als Dekan an der Spitze des Kirchenbezirks Mannheim. 2009 wurde Fischer in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Er war unter anderem Vorsitzender des Aufsichtsrats beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP). Von 2003 bis 2013 hatte er zudem den Vorsitz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) in der EKD inne. 2011 arbeitete Fischer als Vertreter der evangelischen Kirche in der Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“ der Bundesregierung mit. Ulrich Fischer verabschiedete sich zum 1. Juni 2014 – nach 16 Jahren als Landesbischof – in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Jochen Cornelius-Bundschuh, der am gleichen Tag eingeführt wurde.

In seinem Ruhestand übernahm Fischer den ehrenamtlichen Vorsitz des Vertrauensrats der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste und wurde für die Posaunenarbeit Landesobmann in Baden und Vorsitzender des Evangelischen Posaunendiensts in Deutschland, dem Dachverband für 117.000 evangelische Blechbläser und -bläserinnen. Im Ruhestand lebte der mehrfache Großvater Fischer mit seiner Ehefrau auf dem Reiterhof einer sei drei Töchter in Neulußheim. Einen tiefen Einschnitt in sein Leben bedeutete die Diagnose eines Gehirntumors im Vorjahr.

„Ich habe in der Zeit meiner Krankheit sehr, sehr gute Erfahrungen gemacht, eigentlich die intensivsten Erfahrungen meines Lebens. Ich war mein ganzes Leben gesund und bin so dankbar für dieses Leben mit seiner Gesundheit, meiner Familie und meinem Beruf. Diese Dankbarkeit hat nach der Diagnose Einzug gefunden in mein Herz und ich habe mich in einer sehr intensiven Beziehung zu Gott gefühlt“, erklärte Ulrich Fischer in der Sendung „Lichtblicke“ am 6.6.2020.

Besonders wichtig sei ihm zu Beginn der Krankheit gewesen, offen mit der Familie und den Angehörigenüber zu reden: „Mit einem Schlag wird die Endlichkeit des Lebens, die uns theoretisch allen bewusst ist, ganz existenziell erfahrbar – dass Leben enden kann und es Heilung möglicherweise nicht gibt.“

Link zur Sendung: https://youtu.be/LpjI1lHk50k

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